Hauptförderer
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KLASSEnSÄTZE-Siegerin 2015 in der Altersgruppe 4. Klasse:

Carla Fritz, Grundschule Rellinger Straße,  mit ihrem Text "Der magische Mathe-Pullover" 

Am ersten Schultag nach den Ferien wachte Tom auf. Sein Radiowecker hatte gepiept und ihn aus seinem Traum gerissen. Er hatte einen Alptraum, Schuld war der bevorstehende Mathetest und der grausame Pullover und das kam so…

Auf Weihnachten hatte sich Tom wirklich gefreut, doch dann war da dieses Geschenk von Oma. Tom riss es auf und heraus kam der schlimmste Pullover, den er je gesehen hatte. Der Pullover war oben pink und unten braun. Er hatte rote Rüschenringe um die Arme, überall Glöckchenanhänger und ein großes Rentier auf dem Rücken - mega peinlich! Toms Oma blieb nämlich noch eine Weile und sie wollte unbedingt, dass Tom den Pullover am ersten Schultag anzog. Ja, und jetzt lag Tom in seinem Bett, er wollte den ganzen Tag nur so daliegen, aber dann kam seine Mutter rein mit dem Pullover.

Seine Oma war sehr erfreut als sie ihn in dem Pullover sah. Er sprang auf sein Rad und fuhr zur Schule. In der ersten Stunde hatten sie Deutsch. Emma, auch Strickliese genannt, plapperte die ganze Zeit dazwischen.

In der ersten Pause ging Tom zum Jungsklo, um den Pullover in den Müll zu schmeißen. Er stand gerade vor dem Mülleimer, als aus dem WC ganz rechts ein lautes „Schlirrrrrfff“ kam.  Silberner Rauch schwebte aus der Toilette und nahm vor Tom die Gestalt von Albert Einstein an: „Wer bist du?“ fragte Tom. „Albert Einstein! Naja, der Geist von ihm.“ „Der war doch ein berühmter Physiker.“ „Ja, ich in meiner Zeit war ein berühmter Physiker. Eigentlich erscheine ich niemandem, aber das hier ist ganz wichtig. Du darfst den Pullover nicht wegwerfen.“ „Warum nicht?“ „Er ist verzaubert, man kann mit ihm so gut rechnen wie ich.“ Tom stockte der Atem, damit wären alle seine Probleme gelöst. Als er sich wieder umdrehte, war Albert Einstein verschwunden.

In den nächsten Wochen wurde Tom in der Klasse zum neuen Mathe-Profi. Nach der Erscheinung von Albert Einstein hatte Tom jeden Tag seinen Mathepullover angezogen, obwohl er deshalb schon in Streit mit seiner Mutter geraten war. Gott sei Dank ging sie morgen für sechs Wochen auf Geschäftsreise. Sie schärfte Toms Vater alles ein, was zu tun war. Doch einmal lief alles schief…

An einem Wochenende war Waschtag und Toms Vater musste waschen. Er summte vor sich hin und drehte den Knopf auf 90 Grad. Die Wäsche ging los. Tom, der oben war, bemerkte gerade, dass der Pullover nicht an seinem Platz lag. Er ahnte Schlimmes, sauste nach unten und stoppte die Wäsche. Noch rechtzeitig zog er seinen Pullover aus der Waschmaschine und atmete durch. Der Pullover war nicht eingelaufen. Tom stellte die Wäsche auf normale Temperatur und ging wieder hoch. Also noch mal Glück gehabt. Es vergingen zwei friedliche Wochen, doch in der dritten passierte etwas Furchtbares.

Es war mal wieder Toms Lieblingsstunde Mathe und es gab den Mathetest zurück. Natürlich hatte er eine Eins. Danach war Pause. Es war ein warmer Frühlingstag und Tom schwitzte in dem Pullover, also zog er ihn in der Pause aus.  Als er nach der Pause wieder an seinen Platz ging, war der Pullover weg…

Tom war verzweifelt und ihr glaubt nicht, was sich am nächsten Tag, nach einer schlaflosen Nacht, herausstellte. Kurz vor dem Schulbasar, den es einmal im Jahr an der Schule gab,  sollten alle im Kreis erzählen, was sie für den  Verkauf vorbereitet hatten. Als die Strickliese dran war, stockte Tom der Atem. „Also ich habe aus alten hässlichen Sachen Neues gestrickt.“  „Aus was denn zum Beispiel?“ fragte die Lehrerin „Naja aus so ‘nem hässlichen Pullover mit ‘nem Rentier hinten drauf und aus ein paar anderen Sachen.“ Tom konnte es einfach nicht  glauben. Was für ein Unglück!

Am Basartag arbeitete Tom am Getränkestand. Gegenüber beim Strickstand war ordentlich was los. Tom fiel ein junger Mann auf, der gerade eine Mütze mit roten Rüschenringen und einen  Schal mit Glöckchenanhängern kaufte. Damit verlor er jede Hoffnung, den Pullover je wieder zu sehen.  Er konnte sich nicht vorstellen, warum jemand dieses Zeug kaufte, wenn er nicht wusste, welche Fähigkeiten es besaß.

Montagmorgen lag Tom in seinem Bett. Er hatte mal wieder gar keine Lust auf Schule. Alles war doch jetzt wie früher, bevor er den Mathepullover besaß.  In Mathe, in der ersten Stunde, kam Frau Kruse, die Mathelehrerin.  Sie hatte einen jungen Mann mitgebracht. Tom erschauderte. Der Mann hatte eine Mütze mit roten Rüschenringen auf dem Kopf und um den Hals trug er einen Schal mit Glöckchenanhängern.  „So meine lieben Kinder, wir haben einen neuen Praktikanten, sein Name ist Herr Schüssler.“  Emma strahlte ihn an. Die Lehrerin ging auf Tom zu und fragte:  „Tom kannst du heute den Test zur Bruchrechnung schreiben?“ „Ja, äh, äh, ja- kann ich!“ sagte Tom. Tom setzte sich an seinen Platz und fing an. Erstaunlicherweise fiel es Tom ganz leicht. Er hatte keine Probleme mehr in Mathe.  Hatte ihm der Mathepullover das alles beigebracht…?

Die Mathelehrerin war ganz erstaunt über die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Praktikanten. So störte es auch keinen, dass der Praktikant immer seine hässliche Mütze und den merkwürdigen Schal trug. Um seine Mathefähigkeiten weiter auf die Probe zu stellen, ging Martin Schüssler nach dem Praktikum auf eine Weltreise. Mit ihm ging auch der ehemalige Pullover um die Welt.

Eines Morgens wachte Tom auf. Sein Radiowecker hatte ihn aus seinem Traum gerissen. Er hörte, wie aus der Ferne, den Moderator sagen:  „Für besondere Leistungen im Bereich der Mathematik geht der diesjährige Nobelpreis an einen jungen deutschen Mann und zwar an Martin Schüssler...“